Seit meinem ersten USA-Urlaub 1995 träume ich schon davon, irgendwann mal in den USA zu leben. Als Informatikerin ist dies natürlich einerseits das Ursprungsland der Softwerker überhaupt. Auf der anderen Seite hat mich einfach die riesige Weite des Landes und die Unkompliziertheit der Leute beeindruckt. Außerdem habe ich es gerne bequem und als selbst beim Einkaufen auch in meiner Größe genügend Auswahl vorhanden war, wollte ich eigentlich nicht mehr zurück.
Aber im deutschen Alltag treten Träume schnell wieder in den Hintergrund. Erst 10 Jahre und 2 weitere USA-Urlaube später war für mich der richtige Zeitpunkt gekommen, um konkrete Schritte zu unternehmen. Meine geliebte Mutter war inzwischen gestorben, meine Ehe geschieden und mein Job nach 7 Jahren reif für einen Wechsel.
Also hatte ich mich im Juli auf ein Online-Stellenangebot bei Monster.de beworben, in dem eine deutsche mittelständische Firma Softwareentwickler oder Projektleiter für die USA gesucht hat. Die Stellenanzeige hatte mir gut gefallen, weil sie ziemlich genau beschrieb, was von den Bewerbern erwartet wird und dass erforderliche Spezialkenntnisse in einer Vorbereitungsphase vermittelt werden, in der auch die Arbeitserlaubnis für die USA beschafft wird.
Nachdem ich ein kurzes Telefoninterview und mehrere persönliche Gespräche am deutschen Stammsitz in Lüneburg hatte, durfte ich für eine Woche nach New Jersey fliegen, um mir die US-Niederlassung anzusehen und auch meinen zuküftigen Kollegen die Möglichkeit zu geben, mich kennzulernen. Die Gruppe dort bestand nur aus ca. 15 Leuten und ich habe, verteilt auf 2 Tage, mit fast jedem von ihnen gesprochen. Außerdem hatte ich auch noch genügend Zeit, um mir New Jersey anzusehen.
Als geborene Rostockerin mußte ich natürlich erstmal an die Küste. Cape May, Ocean City und Long Beach Island sind so ziemlich der Traum eines jeden Urlaubers, zumal das Wetter Anfang September noch richtig Klasse war. Ich habe mir aber auch die Zeit genommen, die berühmte Universität von Princeton anzusehen, an der Albert Einstein als Professor tätig war. Und selbst für einen Tagestrip nach Philadelphia hat die Zeit gereicht, so daß ich meine Geschichtskenntnisse über die Entstehung der Vereinigten Staaten von Amerika direkt am Ort des Geschehens auffrischen konnte.
Am letzten Tag habe ich noch den Liberty State Park besucht, um die Stunden vor dem Abflug mit Blick auf die Freiheitsstatue und Manhatten zu verbringen.
Ich war in früheren USA-Urlauben schon 3 mal in Manhatten, aber bis hierher hatte ich es noch nie geschafft. Das ist so Klasse, dort am Wasser die endlose Promenade langzulaufen und hoffen zu können, bald für immer diesen amerikanischen Traum leben zu können.
Wieder zurück in Deutschland hatte ich den neuen Arbeitsvertrag bald unterschrieben, allerdings gleich einen amerikanischen. Man ging davon aus, daß meine Kenntnisse ausreichen, um ein Arbeitsvisum schon für Januar 2007 zu bekommen. Außerdem hätte ich sonst 2x umziehen müssen, was für beide Seiten mehr Umstände bedeutet hätte. Trotzdem, ich war extrem aufgeregt. Schließlich war da plötzlich nicht mehr die Zeit von 6-9 Monaten, um noch in Ruhe den Abschied von D zu organisieren. Jetzt würde es sehr schnell ernst und ich begriff so langsam, was für eine Veränderung da auf mich zu rollte.
Als nächstes mußte ich nun meinen bestehenden Job mit 3! Monaten zum Ende des Quartals kündigen. Solche Kündigungsfristen stoßen in den USA auf große Verwunderung, zumindest hat mein zukünftiger Vorgesetzter mir gesagt, daß wenn dort ein Mitarbeiter kündigt, dieser sofort seine Sachen packen muß und nicht mehr bei seinem Arbeitgeber erwünscht ist. Man befürchtet wohl, daß dieser Mitarbeiter noch Schaden anrichtet. Ich habe ihm erklärt, daß man in D ja zumindest noch auf ein wohlwollendes Arbeitszeugnis angewiesen ist und deshalb tapfer bis zum Schluß im Sinne der Firma weiterarbeitet. Außerdem gibt es in meiner Firma noch einiges zu regeln und ich wünsche meinen jetzigen Kollegen bei Ericsson natürlich, daß sie auch weiterhin erfolgreich sind.
Ende September hatte ich noch ein sehr schönes Erlebnis bei unserem 20jährigen Klassentreffen. Fast alle Mitschüler aus meiner Abiklasse sind nach Rostock gekommen, um sich nach so langer Zeit wiederzusehen. Jeder hat seine Lebensgeschichte erzählt und es war spanned bis zum Schluß. Auch ich habe natürlich von meinen Plänen berichtet, die ja jetzt schon sehr konkret waren. Danke nochmal an alle, die mir Mut gemacht haben.
Am 23. Oktober hatte ich dann meinen Termin in Frankfurt beim US Generalkonsulat. Vorher hatte Birget von Werum Lüneburg alle meine Unterlagen eingefordert, akribisch geprüft, übersetzen lassen, sich mit einem Anwalt beraten und auf Hochglanzpapier sauber in Ordner einsortiert, mit denen ich jetzt nach Frankfurt fuhr. Obwohl der Termin erst zu 9:30 Uhr war, bin ich schon um 5:30 Uhr von Backnang los. Aber die Autobahn war frei und das Parken vor dem Konsulat total unkompliziert.
Der genaue Termin schien keinen wirklich zu interessieren. Man zeigt, daß man die Bearbeitungsgebühr bezahlt hat (Nachweis war gleich im 1. Ordner) und bekommt eine Nummer. Dann muß man vor der Sicherheitsprüfung warten, weil nur einer begrenzte Zahl Leute gleichzeitig reingelassen werden. Bei der Sicherheitsprüfung mußte ich meinen Autoschlüssel abgeben (gegen eine Garderobennummer). Handy und Rucksack hatte ich schon extra nicht dabei, weil das in den Hinweisen stand. Danach ging's in einen riesigen Wartesaal. Das erinnerte mich an die Emfangshalle auf Ellis Island, wo früher die Einwanderer von den Schiffen abgefertigt wurden. Naja, die Atmosphäre dürfte damals etwas anders gewesen sein. Heute ist es eher wie in einem überdimensionalen Arztwartezimmer. Man wartet, wartet und wartet, bis endlich die Nummer angezeigt wird. Dann darf man seine Unterlagen abgeben und dann wartet man wieder. Ich glaube aber, verglichen mit den anderen die gleichzeitig mit mir reingekommen waren, habe ich zumindest nach der Abgabe der Unterlagen weniger gewartet. Beim 2. Aufruf meiner Nummer fand wohl das eigentliche Interview statt, weswegen ich vorher so aufgeregt war. Dabei gab es nur 3 einfache Fragen, die sowieso alle in den Unterlagen schon beantwortet waren:
1) Sie arbeiten zur Zeit bei Ericsson. Ist der Job in den USA dann ein neuer Job?
2) Was werden Sie bei Werum America machen?
3) Für wielange werden Sie in den USA bleiben?
Dazu muß man sagen, daß das E2-Visum (Treaty Investor) ein Nichteinwanderungsvisum ist, das für ausländische Firmen gedacht ist, die ihre Waren in den USA vertreiben und dazu Personal vor Ort benötigen. Um so ein Visum zu bekommen, muß die Firma anhand von Geschäftszahlen nachweisen, daß die Investition beträchtlich ist und der Antragsteller (ich) muß entweder in einer leitenden Position sein oder Spezialkenntnisse haben, wie ich, die in den USA nicht zu finden sind. Werum hatte auch in den USA schon Leute gesucht, aber scheinbar nicht oder nicht ausreichend gefunden. Die ganzen Nachweise der Firmendaten waren in einem der Ordner, die für mich vorbereitet waren, so daß ich hiermit fast nichts zu tun hatte.
Es hat nur 2 Tage gedauert, bis ich meinen Reisepass samt Arbeitserlaubnis von Frankfurt per Post wiederbekommen habe. Das Visum darin läuft erst im Oktober 2011 ab, so daß ich mir wegen der Nichteinwanderung momentan nicht allzuviele Gedanken mache. Ich schau jetzt erst mal wie es mir gefällt. Die Greencard (unbefristete Arbeitserlaubnis) kann ich immer noch beantragen, wobei mir die Firma ihre Unterstützung schon zugesichert hat.
Jetzt steht erst mal die Organisation des Umzugs bzw. des Auszugs an. Ich habe schon ein paar Firmen angeschrieben und muß nun eine Liste aller zu transportierender Umzugsgüter anfertigen. Bevor es aber richtig stressig wird, genehmige ich mir im November noch mal 2 Woche Urlaub in Sri Lanka. Wer weiß wann ich den indischen Ozean wiedersehe, wenn ich erstmal in den USA bin.

1 comment:
hallo Anke,
super daß Du Deinen Traum verwirklichst!!! Wir bleiben in Kontakt!!! Vielleicht sehen wir uns ja bald in den Staaten.
Viele Grüße Ruth
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