Saturday, December 30, 2006

Deutschland ade

Morgen ist der letzte Tag im Jahr 2006 und ich kann es kaum noch erwarten, endlich aufzubrechen. Kommende Nacht wird noch kräftig gefeiert, um das Jahr 2006 zünftig zu verabschieden. Und am 2. Januar geht's um halb 5 los, damit ich meinen Flieger um 9:00 Uhr von Hamburg schaffe.

Die letzten Tage in Backnang waren anstrengend, aber es lief alles nach Plan. Am Umzugstag bin ich schon sehr früh aufgestanden, da ich meine Koffer noch nicht fertig gepackt hatte. Man könnte fast denken, daß ich wie vor jedem Urlaub, erst 2 Stunden vorher an's Packen denke, aber diesmal hab ich es vor lauter Papiere sortieren einfach abends nicht mehr geschafft. Schließlich sollte ja nichts mit in den Umzug, was ich dann ganz dringend noch brauche, wie z.B. mein KFZ-Brief oder gar die PINs für's Online-Banking.

Abends am Umzugstag war dann noch die Weihnachtsfeier von meinen Ericsson-Kollegen. Ich wurde herzlich verabschiedet und mit einem Amazon-Gutschein sowie reichlich Alkohol in ordentlich großen Dosierbechern beschenkt. Danke an alle für die herzlichen Worte. Ich werde euch ganz sicher nicht vergessen!

Leider mußte ich auch am nächsten Tag wieder sehr früh raus, denn ich hatte um 10 Uhr einen Termin mit meinem Vermieter zur Wohnungsübergabe und da war noch einiges zu tun. Abgesehen davon, daß ich noch die restlichen Sachen ins Auto laden mußte, war ich mit dem Putzen von Bad, Küche und WC sowie dem Reinigen sämtlicher Teppiche und Fenster vollauf beschäftigt. Ich glaube die Wohnung war die ganze Zeit (2,5 Jahre), die ich dort gewohnt habe, noch nie so sauber. Gerade als ich alle restlichen Müllsäcke vor die Tür gestellt hatte, kam der Vermieter und bis auf das fehlende Malern der Wände gab es auch nichts zu beanstanden.

Um 11 Uhr war ich dann endlich im Büro, um noch die letzten Formalitäten zu erledigen. Natürlich wollte ich so schnell wie möglich los nach Rostock, weil die Fahrt am Freitag sowieso immer länger dauert. Übermüdet und gereizt wie ich war, hat Peter es dann immerhin noch geschafft, mich zum Mittagessen zu überreden. Gegen 14:00 Uhr saß ich dann endlich im Auto. Backnang hat mich mit herrlichem Sonnenschein verabschiedet und das erste Lied im Radio (George Michael- Last Christmas) hat mich in die Weihnachtsferien katapultiert.

Tja, leider war ich dann etwas zu entspannt, denn nachdem ich mich 3 mal beim Sekundenschlaf erwischt habe, bin ich gegen 18:00 Uhr in Kirchheim Richtung Motel abgebogen. Ich hab noch kurz in Rostock angerufen und bin dann für die nächsten 10 Stunden ins Koma gefallen. Dafür war die Fahrt am nächsten Morgen um so angenehmer, denn so früh sind am Samstag nicht viele Autos unterwegs.

In Rostock habe ich dann die nächsten beiden Wochen geplant, um mich von meinen Verwandten und Freunden zu verabschieden. Aber zunächst habe ich mit Inge, meiner "Adoptivmutter", den Rostocker Weihnachtsmarkt besucht.
Rostocker Weihnachtsmarkt
Dies ist der größte Weihnachtsmarkt in Norddeutschland und sicher auch der schönste, denn er zieht sich durch die gesamte Rostocker Innenstadt und wirkt dadurch trotz der vielen Menschen nicht so überfüllt.

Die letzten 2 Wochen war ich hauptberuflich Gast. Ich habe leckere Weihnachtsgerichte und jede Menge Kekse und Schokolade verspeist, so daß ich alle meine für Amerika geplanten Kilos schon jetzt auf den Rippen habe. Außerdem ist mein Auto jetzt verkauft und die meisten Elektrogeräte sind verschenkt.

Danke an alle für die liebe und herzliche Gastfreundschaft. Danke an Jens, Gabi und Sven, die mich am Heiligen Abend mit Gänsebraten verwöhnt haben und nach der Bescherung den Abend mit einer Runde "Activity für Erwachsene" zum wohl witzigsten Tag in dieser Zeit gemacht haben. Danke an Ute, die am 2. Feiertag nochmal die ganze Familie bewirtet hat, und mir so die Gelegenheit gegebenen hat, auch die Kids noch mal alle zu sehen. Danke an Frank, Silke und Anne, die mich in Bevern bei Bremervörde so interessiert über meine Pläne ausgefragt und mich sehr herzlich aufgenommen haben. Danke an Susanne und Axel sowie ihren 3 kleinen Mädels. Es war eine Wonne eure Faszination über den geschenkten Saugroboter mitzuerleben. Und natürlich ein ganz besonderer Dank an Inge, bei der ich mich die letzten Tage in Rostock wie zu Hause gefühlt habe.

Wir waren zusammen in der Dierkower Mühle essen.
Dierkower Mühle
Diese hat sich inzwischen zu einem beliebten Restaurant und Cafe gemausert und ist deshalb ein echter Tipp. Insbesondere die Weihnachtsdeko hat uns sehr gefallen:
Inge und die Weichnachtsdeko der Dierkower Mühle
So, dann bleibt mir nur noch, allen meinen Lesern einen Guten Rutsch und ein Glückliches und Gesundes Neues Jahr zu wünschen. Für mich wird es sicher eines der aufregendsten Jahre. Möge es auch für euch viele spannende und glückliche Momente bringen!

Sunday, December 10, 2006

Der Umzug ist organisiert

Eigentlich ist ja so ein Umzug gar nicht so schwer zu organisieren, wenn man sich einfach nur auf die nächsten Schritte konzentriert. Ich hab jetzt einen Termin für die Möbelpacker und auch schon die Waschmaschine abholen lassen. Der Sperrmüll wird morgen entsorgt und meine Kleidung habe ich dieses Wochenende sortiert. Alles was bleibt ist, die Koffer zu packen und diese zusammen mit ein paar "Weihnachtsmitbringseln" ins Auto zu laden.

Ok, etwas Papierkram ist auch noch übrig, z.B. die Zollerklärung für die Einfuhr des Umzugsgutes in die USA. Die Liste mit Sachen, die man nicht oder nur gegen Gebühr einführen darf, ist ja recht lang. Zum Beispiel sind theoretisch alle Sachen, die noch nicht älter als ein Jahr sind, zu verzollen und man benöigt dafür eine Rechnung. Alkohol und Lebensmittel sind komplett tabu. Zum Glück habe ich die eigentlich für die USA gedachte Nutella-Dose schon vorzeitig verspeist ;-)

Letzte Woche hatte ich ein Abendessen mit meinem Team, bei dem ich sehr lieb verabschiedet wurde. Über das Fotoalbum und die Tasse mit dem Gruppenfoto habe ich mich wirklich gefreut.
Ericsson Team
Hab schon fast etwas ein schlechtes Gewissen, weil ich in den letzten Mitarbeitergesprächen fast jedem von ihnen noch mal recht harte Worte gesagt habe. Hoffentlich bewirkt das noch größeren Einsatz, so daß mein Nachfolger Peter es in seiner neuen Rolle um so leichter hat. Aber zusammen sind sie ein tolles Team und ich denke das wird schon...

Achja, und vielen Dank an Helga, die mir noch einen Termin beim Zahnarzt besorgt hat. Arztrechnungen sollen in den USA ja viel teurer sein und ich bin mir noch nicht so ganz sicher, wieviel da meine Auslandsversicherung übernimmt, insbesondere beim Zahnarzt. Da hat mich doch echt noch das schlechte Gewissen eingeholt. Zum Glück war alles in Ordnung. Mir sind Wackersteine vom Herzen gefallen.

Die Krankenversicherung ist sowieso ein Thema für sich. Meine jetzige PKV will 170 Euro im Monat nur dafür, daß ich bei einer potentiellen Rückkehr wieder zu den jetzigen Bedingungen aufgenommen werde (Anwartschaft). Da sind keine weiteren Leistungen mit drin. Auch wenn die Firma diese Kosten übernimmt, finde ich das ziemlich heftig. Wenn ich den Auslandstarif meiner eigenen PKV bezahlen würde, wäre ich mit 150% Zuschlägen zu meinem bisherigen Tarif dabei.

Der gute Mann von der DKV wollte mir deshalb zusätzlich zur recht günstigen Auslandsversicherung noch ein Angebot für eine deutsche PKV mit Anwartschaftsversicherung zuschicken. Natürlich zu besseren Konditionen und erheblich günstiger. Ich bin gespannt, ob man überhaupt so einen PKV-Vertrag abschließen kann, der gleich mit einer Anwartschaft startet. Oh Mann, und das alles nur für den Rückkehrfall, von dem ich doch eigentlich gar nicht ausgehe.

Jedenfalls ist der Flug jetzt gebucht. Es geht am 2. Januar 2007 um 9:00 Uhr von Hamburg aus los. Nächsten Freitag ist mein letzter Tag bei Ericsson und sobald ich meine Wohnung übergeben habe, fahre ich mit meinem Auto 'gen Rostock. Dort werde ich Weihnachten und Neujahr verbringen und mich von meinen Verwandten und Freunden verabschieden.

Für mich ist jetzt fast alles "das letzte Mal". Das letzte Gruppenessen bei Ericsson, der letzte Wochenendeinkauf beim Lidl, die letzte Fahrt mit meinem Honda von hier nach Rostock. Klingt ja richig melancholisch. Dabei freu ich mich schon auf das nächste Jahr, nur momentan bin einfach noch zu beschäftigt, um schon richtig nach vorne schauen zu können.

Saturday, November 25, 2006

Urlaub vor dem Stress

Auch wenn ich schon wieder eine Woche in Deutschland bin, möchte ich noch ein paar Zeilen zu meinem Urlaub in Sri Lanka loswerden. Das war für mich Entspannung pur und auch ein bischen Flucht vor dem bevorstehenden Umzugsstress.

Ich bin jetzt schon zum 3. mal in Sri Lanka gewesen und einfach fasziniert von dem warmen indischen Ozean und den wunderschönen Sandstränden. Mein Freund Krishan betreibt eine Surfschule am Strand direkt vor seinem Haus. Im Schatten der kleinen Surferhütte könnte ich ewig sitzen und dem Meer oder sogar den Surfern zuschauen.
Krishan
Der Strand liegt zwischen Talpe und Habaraduwa an der Küstenstraße zwischen Galle und Matara. Habaraduwa hat einige kleine, aber feine Gästehäuser direkt am Strand, z.B. Wilde Ananas. Für ein etwas europäischeres Essen oder auch nur für einen leckeren "Mixed Fruit Juice" lohnt sich dort ein Abstecher allemal. Das ist zwar ca. 5 mal teurer als in einem einheimischen "Restaurant", aber dafür mit Meerblick und viel sauberer.

Allerdings finde ich, daß man in Sri Lanka auch mal einheimische Gerichte probieren sollte und damit meine ich nicht nur Rice und Curry (wirklich sehr scharf!). Ich empfehle Stringhoppers (Spagetti-ähnlich) , Egghoppers (Teigschüssel mit Ei) und Eggrottis (Pfannkuchen mit Ei gefüllt). Natürlich werden auch dazu meist scharfe Sossen gegessen, aber die kann man ja weglassen oder sich auf den milderen Dhal Curry (Linsen-Curry) beschränken.

Fisch ist natürlich für viele Sri Lankaner an der Küste ein Grundnahrungsmittel. Schließlich gibt es den für fast umsonst aus dem Meer. Während meiner Zeit dort sind tagelang ganze Schwärme von Minifischen quasi an den Strand geschwemmt worden, so daß dies fast in ein Volksfest ausgeartet ist. Männer, Kinder und auch Frauen haben das Fischtreiben begeistert beobachtet und sind mit allen möglichen Fang-Utensilien aufgetaucht.
Fischfang in Habaraduwa
Da Krishan auch Fischer ist, hat er natürlich mitgeholfen. Die erfolgreichste Methode war das Auswerfen eines Netztes und das sofortige Tauchen der Fischer, um die Fische im Netz einzufangen. Danach kann das Netz samt Inhalt an den Strand getragen werden und die Fische liegen auf dem Trockenen.

Zum Abendessen gab es dann 50 gebratene Minifische (Köpfe, Wirbelsäule und Schwänze habe ich aussortiert). Je knuspriger die Fische zubereitet sind, desto besser schmecken sie und die Gräten sind bis auf die Wirbelsäule nun wirklich zu klein, um sich noch daran zu stören. An den Resten hat sich Krishan's Hund Kalou gelabt.

Tja, und so sind die Tage verflogen. Morgens den glorreichen Blick auf Palmen und Meer geniessen, dann etwas schwimmen und den Surfern zuschauen, wie sie sich aus der Welle heraus auf des Brett hieven. Dann Essen fassen, abwechselnd in einem Touri-Lokal oder in einem einfachen Rotti-Shop. Und dann wieder das Meer anschauen und dem Treiben der Surfer oder Fischer zusehen. Abends noch den Sonnenuntergang geniessen und sich von Krishan mit einem exotischen Fruchtsalat verwöhnen lassen.
Sonnenuntergang in Weligama
Ab und an haben wir einen Ausflug gemacht, z.B. zu Krishan's Großmutter in ein Dorf bei Galle oder wir sind mit anderen Surfern an einen anderen Strand gefahren, z.B. nach Weligama, wo das Meer eher für Surf-Anfänger geeignet ist.

Als Surf-Lehrer hat Krishan natürlich mehrfach versucht, mich zum Surfen zu überreden. Aber bei meinem einzigen Versuch mit Brett zu schwimmen, bin ich stängig nach rechts und links abgerutscht, vom Aufstehen im Wasser wollen wir gar nicht reden.

Zum Glück bin ich ein guter Schwimmer, ansonsten wäre ich im Wasser vor Habaraduwa bei der Strömung und dem Wellengang schon in arge Bedrängnis geraten. Das unversehrte Erreichen des Strandes war jedesmal eine Anstrengung nach der die Süßwasser-Dusche so richtig willkommen war. Immerhin hat Krishan jetzt fließend Wasser (kalt) aus der Leitung, so daß ich beim ständigen Duschen kein schlechtes Gewissen haben mußte.
Krishan macht Mixed Fruit Juice
Die Zeit mit Krishan war sehr schön. Ich kenne ihn jetzt schon 4 Jahre und obwohl er soviel jünger ist, verstehen wir uns doch sehr gut. Meine Umzugspläne in die USA hat er zunächst ganz gut aufgenommen. Erst viel später hat er aus heiterem Himmel gefragt, was dann aus uns wird. Und natürlich wollte er wissen, wann ich wieder nach Sri Lanka komme. Aber Pläne möchte ich momentan nicht machen. Der Abschied am Flughafen war ein Abschied auf unbestimmte Zeit.

Saturday, October 28, 2006

Das E2-Visum

Seit 3 Tagen habe ich nun schon das ersehnte Arbeitsvisum in meinem Reisepass und ich kann noch gar nicht fassen, wie einfach eigentlich alles war. Auf jeden Fall steht es jetzt fest: Ich werde ab Januar in New Jersey, USA leben.

Seit meinem ersten USA-Urlaub 1995 träume ich schon davon, irgendwann mal in den USA zu leben. Als Informatikerin ist dies natürlich einerseits das Ursprungsland der Softwerker überhaupt. Auf der anderen Seite hat mich einfach die riesige Weite des Landes und die Unkompliziertheit der Leute beeindruckt. Außerdem habe ich es gerne bequem und als selbst beim Einkaufen auch in meiner Größe genügend Auswahl vorhanden war, wollte ich eigentlich nicht mehr zurück.

Aber im deutschen Alltag treten Träume schnell wieder in den Hintergrund. Erst 10 Jahre und 2 weitere USA-Urlaube später war für mich der richtige Zeitpunkt gekommen, um konkrete Schritte zu unternehmen. Meine geliebte Mutter war inzwischen gestorben, meine Ehe geschieden und mein Job nach 7 Jahren reif für einen Wechsel.

Also hatte ich mich im Juli auf ein Online-Stellenangebot bei Monster.de beworben, in dem eine deutsche mittelständische Firma Softwareentwickler oder Projektleiter für die USA gesucht hat. Die Stellenanzeige hatte mir gut gefallen, weil sie ziemlich genau beschrieb, was von den Bewerbern erwartet wird und dass erforderliche Spezialkenntnisse in einer Vorbereitungsphase vermittelt werden, in der auch die Arbeitserlaubnis für die USA beschafft wird.

Nachdem ich ein kurzes Telefoninterview und mehrere persönliche Gespräche am deutschen Stammsitz in Lüneburg hatte, durfte ich für eine Woche nach New Jersey fliegen, um mir die US-Niederlassung anzusehen und auch meinen zuküftigen Kollegen die Möglichkeit zu geben, mich kennzulernen. Die Gruppe dort bestand nur aus ca. 15 Leuten und ich habe, verteilt auf 2 Tage, mit fast jedem von ihnen gesprochen. Außerdem hatte ich auch noch genügend Zeit, um mir New Jersey anzusehen.

Als geborene Rostockerin mußte ich natürlich erstmal an die Küste. Cape May, Ocean City und Long Beach Island sind so ziemlich der Traum eines jeden Urlaubers, zumal das Wetter Anfang September noch richtig Klasse war. Ich habe mir aber auch die Zeit genommen, die berühmte Universität von Princeton anzusehen, an der Albert Einstein als Professor tätig war. Und selbst für einen Tagestrip nach Philadelphia hat die Zeit gereicht, so daß ich meine Geschichtskenntnisse über die Entstehung der Vereinigten Staaten von Amerika direkt am Ort des Geschehens auffrischen konnte.

Am letzten Tag habe ich noch den Liberty State Park besucht, um die Stunden vor dem Abflug mit Blick auf die Freiheitsstatue und Manhatten zu verbringen.
State Liberty Park
Ich war in früheren USA-Urlauben schon 3 mal in Manhatten, aber bis hierher hatte ich es noch nie geschafft. Das ist so Klasse, dort am Wasser die endlose Promenade langzulaufen und hoffen zu können, bald für immer diesen amerikanischen Traum leben zu können.

Wieder zurück in Deutschland hatte ich den neuen Arbeitsvertrag bald unterschrieben, allerdings gleich einen amerikanischen. Man ging davon aus, daß meine Kenntnisse ausreichen, um ein Arbeitsvisum schon für Januar 2007 zu bekommen. Außerdem hätte ich sonst 2x umziehen müssen, was für beide Seiten mehr Umstände bedeutet hätte. Trotzdem, ich war extrem aufgeregt. Schließlich war da plötzlich nicht mehr die Zeit von 6-9 Monaten, um noch in Ruhe den Abschied von D zu organisieren. Jetzt würde es sehr schnell ernst und ich begriff so langsam, was für eine Veränderung da auf mich zu rollte.

Als nächstes mußte ich nun meinen bestehenden Job mit 3! Monaten zum Ende des Quartals kündigen. Solche Kündigungsfristen stoßen in den USA auf große Verwunderung, zumindest hat mein zukünftiger Vorgesetzter mir gesagt, daß wenn dort ein Mitarbeiter kündigt, dieser sofort seine Sachen packen muß und nicht mehr bei seinem Arbeitgeber erwünscht ist. Man befürchtet wohl, daß dieser Mitarbeiter noch Schaden anrichtet. Ich habe ihm erklärt, daß man in D ja zumindest noch auf ein wohlwollendes Arbeitszeugnis angewiesen ist und deshalb tapfer bis zum Schluß im Sinne der Firma weiterarbeitet. Außerdem gibt es in meiner Firma noch einiges zu regeln und ich wünsche meinen jetzigen Kollegen bei Ericsson natürlich, daß sie auch weiterhin erfolgreich sind.

Ende September hatte ich noch ein sehr schönes Erlebnis bei unserem 20jährigen Klassentreffen. Fast alle Mitschüler aus meiner Abiklasse sind nach Rostock gekommen, um sich nach so langer Zeit wiederzusehen. Jeder hat seine Lebensgeschichte erzählt und es war spanned bis zum Schluß. Auch ich habe natürlich von meinen Plänen berichtet, die ja jetzt schon sehr konkret waren. Danke nochmal an alle, die mir Mut gemacht haben.

Am 23. Oktober hatte ich dann meinen Termin in Frankfurt beim US Generalkonsulat. Vorher hatte Birget von Werum Lüneburg alle meine Unterlagen eingefordert, akribisch geprüft, übersetzen lassen, sich mit einem Anwalt beraten und auf Hochglanzpapier sauber in Ordner einsortiert, mit denen ich jetzt nach Frankfurt fuhr. Obwohl der Termin erst zu 9:30 Uhr war, bin ich schon um 5:30 Uhr von Backnang los. Aber die Autobahn war frei und das Parken vor dem Konsulat total unkompliziert.

Der genaue Termin schien keinen wirklich zu interessieren. Man zeigt, daß man die Bearbeitungsgebühr bezahlt hat (Nachweis war gleich im 1. Ordner) und bekommt eine Nummer. Dann muß man vor der Sicherheitsprüfung warten, weil nur einer begrenzte Zahl Leute gleichzeitig reingelassen werden. Bei der Sicherheitsprüfung mußte ich meinen Autoschlüssel abgeben (gegen eine Garderobennummer). Handy und Rucksack hatte ich schon extra nicht dabei, weil das in den Hinweisen stand. Danach ging's in einen riesigen Wartesaal. Das erinnerte mich an die Emfangshalle auf Ellis Island, wo früher die Einwanderer von den Schiffen abgefertigt wurden. Naja, die Atmosphäre dürfte damals etwas anders gewesen sein. Heute ist es eher wie in einem überdimensionalen Arztwartezimmer. Man wartet, wartet und wartet, bis endlich die Nummer angezeigt wird. Dann darf man seine Unterlagen abgeben und dann wartet man wieder. Ich glaube aber, verglichen mit den anderen die gleichzeitig mit mir reingekommen waren, habe ich zumindest nach der Abgabe der Unterlagen weniger gewartet. Beim 2. Aufruf meiner Nummer fand wohl das eigentliche Interview statt, weswegen ich vorher so aufgeregt war. Dabei gab es nur 3 einfache Fragen, die sowieso alle in den Unterlagen schon beantwortet waren:
1) Sie arbeiten zur Zeit bei Ericsson. Ist der Job in den USA dann ein neuer Job?
2) Was werden Sie bei Werum America machen?
3) Für wielange werden Sie in den USA bleiben?

Dazu muß man sagen, daß das E2-Visum (Treaty Investor) ein Nichteinwanderungsvisum ist, das für ausländische Firmen gedacht ist, die ihre Waren in den USA vertreiben und dazu Personal vor Ort benötigen. Um so ein Visum zu bekommen, muß die Firma anhand von Geschäftszahlen nachweisen, daß die Investition beträchtlich ist und der Antragsteller (ich) muß entweder in einer leitenden Position sein oder Spezialkenntnisse haben, wie ich, die in den USA nicht zu finden sind. Werum hatte auch in den USA schon Leute gesucht, aber scheinbar nicht oder nicht ausreichend gefunden. Die ganzen Nachweise der Firmendaten waren in einem der Ordner, die für mich vorbereitet waren, so daß ich hiermit fast nichts zu tun hatte.

Es hat nur 2 Tage gedauert, bis ich meinen Reisepass samt Arbeitserlaubnis von Frankfurt per Post wiederbekommen habe. Das Visum darin läuft erst im Oktober 2011 ab, so daß ich mir wegen der Nichteinwanderung momentan nicht allzuviele Gedanken mache. Ich schau jetzt erst mal wie es mir gefällt. Die Greencard (unbefristete Arbeitserlaubnis) kann ich immer noch beantragen, wobei mir die Firma ihre Unterstützung schon zugesichert hat.

Jetzt steht erst mal die Organisation des Umzugs bzw. des Auszugs an. Ich habe schon ein paar Firmen angeschrieben und muß nun eine Liste aller zu transportierender Umzugsgüter anfertigen. Bevor es aber richtig stressig wird, genehmige ich mir im November noch mal 2 Woche Urlaub in Sri Lanka. Wer weiß wann ich den indischen Ozean wiedersehe, wenn ich erstmal in den USA bin.